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Schlüsselbeinbruch

Ein gebrochenes Schlüsselbein ist keine Seltenheit. Welche Symptome auftreten, wie die Therapie aussieht, wann Ärzte zu einer Operation raten
von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 13.09.2013

Ein Schlüsselbeinbruch kann heftige Schmerzen auslösen

Thinkstock/Stockbyte

Was ist ein Schlüsselbeinbruch?

Das Schlüsselbein zählt zu den Knochen, die sich Menschen am häufigsten brechen. "Zehn Prozent aller Frakturen sind Schlüsselbeinbrüche", sagt Dr. Peter Gutsfeld, Leiter der Abteilung für Unfallchirurgie und Sportorthopädie am Klinikum Garmisch-Partenkirchen.

Ursachen: Wie kommt es zu einem gebrochenen Schlüsselbein?

Bricht sich ein Kind oder ein junger Mensch das Schlüsselbein, ist meist ein Sportunfall ursächlich. "Skifahren und Radfahren sind typische Sportarten", meint Unfallchirurg Gutsfeld. Bedeutsam sind Schlüsselbeinbrüche (Fachbegriff: Klavikulafraktur) bei Verkehrsunfällen, häufig als Ausdruck einer schweren Brustkorbverletzung. Wirkt eine Kraft direkt auf das Schlüsselbein ein und bricht es dadurch, dann sprechen Mediziner von einem direkten Trauma.

Wer auf den Arm oder die Schulter fällt, bei dem kann das Schlüsselbein ebenfalls zerbersten. Das Schlüsselbein, lateinisch Klavikula genannt, verbindet den Schultergürtel mit dem Rumpf und wird bei einem solchen Sturz stark belastet. Es liegt ein indirektes Trauma vor. Betroffen sind häufig ältere Menschen, die durch Stolpern auf die Schulter stürzen.

Symptome: Wie äußert sich ein Schlüsselbeinbruch?

Es können starke Schmerzen auftreten, wenn der Verletzte versucht, den Arm oder die Schulter zu bewegen. Die betroffene Stelle schwillt oft an und verfärbt sich bläulich. Ein weiteres Symptom: "Der Bereich fühlt sich instabil an und es kann krepitieren, wenn man das Schlüsselbein mit der Hand betastet", so Gutsfeld. Krepitieren bedeutet so viel wie knirschen.

Gefährlich ist ein gebrochenes Schlüsselbein im Normalfall nicht. Nur wenn durch die Fraktur beispielsweise Nerven oder Gefäße verletzt werden, was zu Komplikationen führen kann. Auch ein offener Bruch, bei dem der Knochen die Haut durchdringt, kommt eher selten vor.

Diagnose: Wie erkennt der Arzt eine Klavikulafraktur?

Der Arzt kann meist schnell auf einen Schlüsselbeinbruch schließen, sobald er die Schulter untersucht und der Patient seine Beschwerden schildert. Eine Röntgenaufnahme liefert dann den endgültigen Beweis.

Therapie: konservativ oder operieren?

Ob der Arzt eine Klavikulafraktur konservativ behandelt oder eine Operation veranlasst, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Experte Gutsfeld betont: "Kinder sollten in der Regel konservativ therapiert werden." Dies gelte ebenso für "einfache Schlüsselbeinbrüche", bei denen keine komplexen Frakturformen vorliegen und sich das Schlüsselbein nur wenig (oder gar nicht) aus der normalen Lage verschoben hat.

Konservativ bedeutet: Ruhig halten und von selbst verheilen lassen. Ruhigstellen können Ärzte das Schlüsselbein, indem sie spezielle Schlauchverbände oder einen sogenannten Rucksackverband verordnen. Diese Varianten sollen die Schulter nach hinten ziehen, um indirekt das Schlüsselbein in der Längsachse auszurichten. So wächst das Schlüsselbein möglichst gerade zusammen.

Das Problem dieser Methode: Das Schlüsselbein lässt sich mit den Verbänden nur begrenzt in seine normale Position schieben. Der Bruch kann schief zusammenwachsen, eine Fehlstellung (meist eine Verkürzung) kann bleiben. Um diese unerwünschte Folge zu vermeiden, kommt für manche Verletzte – nach einem ausführlichen Gespräch mit dem Chirurgen – auch eine Operation infrage. Ein weiterer Vorteil: "Man ist rasch wieder schmerzfrei und kann in den Alltag zurückkehren", so der Unfallchirurg. Nachteil: Es sind zwei operative Eingriffe nötig. Bei der ersten Operation wird das Schlüsselbein üblicherweise mit einer winkelstabilen Platte stabilisiert. Nachdem der Bruch verheilt ist entfernt der Operateur das Implantat wieder.

Manchmal lässt sich ein Eingriff nicht umgehen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn sich das Schlüsselbein stark verschoben hat, wenn ein offener Bruch vorliegt oder wenn Gefäße oder Nerven durch den Bruch verletzt wurden. Wenn die Klavikula während der konservativen Therapie nicht verheilt und Schmerzen verbleiben, dann sollte auch operiert werden.

Unser Experte: Dr. Peter Gutsfeld

Klinikum Garmisch-Partenkirchen

Beratender Experte: Dr. Peter Gutsfeld, Facharzt für Chirurgie, spezielle Unfallchirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Garmisch-Partenkirchen

Quellen:

Niethard FU, Pfeil J, Biberthaler P: Orthopädie und Unfallchirurgie, 6. Auflage, Stuttgart Thieme Verlag 2009


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: Thinkstock/Stockbyte, Klinikum Garmisch-Partenkirchen

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